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Seit Juli 2012 lösen
auch in Deutschland die Eurocodes die DIN Normen ab, der Eurocode 6 für die
Bemessung und Ausführung von Mauerwerk gilt vorerst über eine
Gleichwertigkeitserklärung. Die Neuerungen, die sich aus seiner bevorstehenden
bauaufsichtlichen Einführung für Mauerwerksbemessungen ergeben, waren Thema von
vier Herbsttagungen des Bundesverbandes Porenbeton. Mit diesen von Ingenieuren,
Architekten, Fachleuten der Baubranche und Studenten gut besuchten
Veranstaltungen in vier Städten hat der Bundesverband die Tradition seiner
Fachtagungen wieder aufgenommen.
Bauaufsichtliche Einführung 2013/2014 erwartet
Das Regelwerk mit
europäischen Vorgaben und nationalen Randbedingungen wurde den alten DIN
Bemessungsvorschriften gegenübergestellt und mit vergleichendem Praxisbezug
betrachtet. „Der Eurocode 6 mit seinen Nationalen Anhängen ist nicht so
kompliziert, wie es auf den ersten Blick aussieht“, schätzte Dipl. Ing. Georg Flassenberg,
Geschäftsführer des Bundesverbandes Porenbeton, Berlin, und Mitglied in
zahlreichen Normenausschüssen, ein.
Da für den Eurocode 6
noch die nationalen brandschutztechnischen Regelungen und das Umschreiben der bestehenden Mauerwerkszulassungen abgearbeitet werden müssen, wird seine
bauaufsichtliche Einführung für 2013/2014 erwartet. Nach der von der
Fachkommission Bautechnik herausgegebenen Gleichwertigkeitserklärung gilt bis
dahin, dass Bauteile entweder nach alter DIN 1053 oder nach neuem Eurocode
bemessen werden können.
Bei der Bemessung und Ausführung
von Porenbeton gibt es nach wie vor vereinfachte Nachweisverfahren. „In vielen
Fällen“, so orientierte Flassenberg,
„stellt der Eurocode nichts Neues im Vergleich zur DIN dar. Die meisten
Regelungen sind unverändert übernommen. Lediglich bei den Baustoffkennwerten, vor allem bei der Ermittlung der zulässigen Mauerwerksdruckfestigkeit, ist
eine Umstellung zu beachten.“
Erster Blick in den Nationalen Anhang
„Schauen Sie immer
zuerst in die Nationalen Anhänge und erst dann in die Eurocodes“, empfahl Dr. Ing. Markus Hauer, Geschäftsführer
des Büros für Baukonstruktionen GmbH,
Karlsruhe und Mitarbeiter in den Normenausschüssen für Mauerwerksbau. Die Bemessung von Porenbetonmauerwerk
ließe sich auf relevante Punkte
reduzieren. Für eine Reduzierung von Zulassungen wird die jetzt ebenfalls
enthaltene Bemessung von Planelementemauerwerk sorgen, neu ist die
Berücksichtigung der teilweise aufliegenden Deckenplatte. Vereinfachte
Verfahren für Gebäude bis zwanzig Metern Höhe oder für Häuser mit höchstens drei Geschossen bleiben
erhalten, schnelle Formeln stehen zur Verfügung. Darauf, so betonte Hauer,
hätten die deutschen Vertreter im europäischen Normungsausschuss gedrungen.
Jetzt sprechen die Eurocodes für mehr als 20 EU-Länder eine einheitliche
Sprache.
Sonderfall
Brandschutz
Brandschutz bildet in Deutschland einen Sonderfall. Die
brandschutztechnische Bemessung für Mauerwerk erfährt durch den Teil 1-2 des
Eurocode 6 und die Überarbeitung des Bauteilkataloges für den Brandschutz DIN
4102-4 Veränderungen. Im bislang noch
nicht als Weißdruck erschienenen Nationalen Anhang werden dafür detaillierte,
sich an dieser Norm orientierende Regelungen aufgeführt. Gerade beim Brandschutz seien einige Einflussfaktoren zu beachten,
erläuterte Flassenberg.
Baulicher Brandschutz
mit risikogerechten Konzepten
Wie wichtig beim baulichen Brandschutz eine Risikoberechnung
und darauf basierend ein adäquates Brandschutzkonzept sind, demonstrierte Dipl. Ing. Jan Heinemann, Sachverständiger für Brandschutz bei
der HDI Gerling Sicherheitstechnik GmbH Hannover aus der Sicht eines
Industrie-Sachversicherers.
Monatlich werden in Deutschland 15 Großbrände mit einem Schaden
über eine Million Euro registriert – „in fast allen Fällen wurde der
Brandschutz außer Acht gelassen oder mangelhaft ausgeführt“, konstatierte
Heinemann.
Als brandbegünstigend machte der Sachverständige u.a. falsch
hergestellte Brandwände mit Anschlussfehlern, unzureichende Komplextrennungen,
falsch gewählte Bauteile und Baustoffe aus. „Bauausführung, Bauart und
Baustoffwerte sind entscheidend.“ Schon eine Brandschutzmaßnahme könne das
Brandrisiko – und die Versicherungsprämie für Unternehmen – erheblich senken.
Übersicht gewonnen,
Verunsicherung abgebaut
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Fachtagungen zogen
eine weitgehend positive Bilanz. „Die Umstellung auf den Eurocode 6 erfordert
einiges Fachwissen“, sagte Angelika
Rösner vom Ingenieur- und Sachverständigenbüro Projektplan Rösner aus
Wittenförden bei Schwerin, die sich
vorrangig mit Wohnungsbau befasst. „Jetzt habe ich eine erste große Übersicht
zum Eurocode 6 gewonnen, die Arbeit selbst bringt dann die detaillierten Fragen.“
Gudrun Feuerstake,
Ingenieurin bei Town&Country Haus, Berlin, meinte: „Porenbeton ist
unser Baustoff. Was für ihn hinter dem EC 6 steckt, beschäftigt mich. Gerade
für Einfamilienhäuser sind vereinfachte Berechnungsverfahren wichtig. Wichtig
auch, dass mit dem neuen Berichtsheft 14 des BV Porenbeton bereits fachlich gute Literatur mit Berechnungsbeispielen
vorliegt.“
Dr. Petra Kaiser vom
Porenbeton-Verbandsmitglied H+H Deutschland GmbH, Wittenborn wertete als
zukunftsweisend, dass der Verband fundiertes Wissen zum EC 6 vermittele und
sich so in die Öffentlichkeit einbringe. „Verunsicherung wurde abgebaut.“ B.E.
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